Vorschau Seminar und Tagung 2015:

Das 74. Psychotherapieseminar Freudenstadt findet vom 24. bis 26 September 2015 statt.
Themenstellung und Programm folgen.

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Seminar und Tagung 2014:

“Die Lüge der Wahrheit – ist die Wahrheit der Lüge”

oder: Was ist Konstruktivismus?

Seminar vom  2.-4. Oktober 2014 des Psychotherapieseminars Freudenstadt e.V. ,der Sigma -Akademie Stuttgart und  der Sigma-Klinik Bad Säckingenin Freudenstadt, Hotel Teuchelwald

EINFÜHRUNG

In einer Therapie versucht der Patient, nicht nur zu gesunden, sondern auch die subjektive Wahrheit über sich zu finden, die ihm vermeintlich irgendwann, spätestens mit Beginn seiner Erkrankung entglitt. 

Das Gleiche versucht auch der Therapeut beim Patienten, bzw. mit ihm zusammen.  Zumindest versuchen beide das “Ich” des Patienten wiederzufinden, das diesem ermöglicht, zu leben.

Aber was ist die Realität in diesem Prozess , was ist das “Ich”, was die Wahrheit?

Hier gibt der Konstruktivismus Antworten, die uns bescheidener werden lassen, was  Diagnosen, Befunde und Therapie anbetreffen, aber auch große Hoffnung geben, weil alles letztlich relativ und subjektiv ist.

Nach Glasersfeld ist das Kernproblem der abendländischen Erkenntnistheorie: „Erkennen zu wollen, was außerhalb der Erlebniswelt liegt.“ Dieses Problem ist nach dem Konstruktivismus nicht zu lösen, sondern nur zu umgehen; Anregungen dazu hatte Glasersfeld in den Arbeiten des Epistemologen Jean Piaget gefunden.

Piaget hat erklärt, „daß die kognitiven Strukturen, die wir ‚Wissen‘ nennen, nicht als ‚Kopie der Wirklichkeit‘ verstanden werden dürfen, sondern vielmehr als Ergebnis der Anpassung.“

Erkenntnis liefert kein Bild der realen Welt, sie liefert nur eine subjektive Konstruktion, die zur Welt passt(wie ein Schlüssel zum Schloss passt).

„Wir nehmen stets durch die ‚Brille‘ unseres Gedächtnisses wahr, denn das, was wir wahrnehmen, ist durch frühere Wahrnehmungen  entscheidend mitbestimmt“ [Gerhard Roth].

Es geht dabei um  die Erklärung der Welt, wie sie von unserem Organismus erlebt wird.

Das Kind baut daher Handlungsschemata auf, um adäquat mit der Welt umzugehen.

Eine soziale Gemeinschaft dient dabei primär dem einzelnen, damit derselbe existieren kann, er dient sekundär der Gemeinschaft, um selbst zu existieren.

Kultur ist für Varela und Matura deshalb erworbenes Verhalten, das weitergegeben wird und ständig abgeglichen wird.

Wir Menschen brauchen Kultur, um als Gemeinschaft zu bestehen. Der einzelnen braucht Konstrukte, um eine Orientierung zu haben. Haben wir gemeinsame Konstrukte, geht dies über Kultur hinaus und ist Glaube oder Religion.

Kulturlose Menschen sind uns nicht zufällig deshalb  suspekt. Sie haben keine Ethik,  letztlich empfinden sie keine Dankbarkeit, die uns Geborgenheit und  Sicherheit signalisiert. Nicht zufällig bleiben sie deshalb isolierte Wesen in unserer Gesellschaft.

Es geht also in einer Psychotherapie um die Entdeckung tragender Konstrukte eines Menschen, um seine Wahrheit, die ihm Halt gibt. Es geht nicht um radikale Wahrheiten, die darin bestehen menschliche und damit sinngebende Konstrukte zu entzerren und dem anderen seine Sicht der Dinge zu zerstören.  Störung (Perturbation)  darf nur so weit gehen, dass eine Anpassung an das Leben möglich ist. Ansonsten zerstört sie nur. Anpassung ist aber auch nicht Perfektion.

Anpassung ist somit  ein Mittelwert zwischen subjektiver und sozialer Wirklichkeit (Äquilibration). Und um die geht es in der Psychotherapie.

Ich wünsche den 90 Teilnehmern und mir  eine schöne Tagung.

Mit herzlichem Gruß,

Erich W. Burrer
1.Vorsitzender

 

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Zertifiziert mit 21 CME-Punkten (anerkannt für Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte durch die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg)